Probleme beim Schmelzen von 925 Silber

 
Maschinenbauer
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Maschinenbauer

 ·  #1
Hallo zusammen,

Ich habe kürzlich meine Eigenbau-Ziehbank fertiggestellt und wollte Rohmaterial gießen, das dann gewalzt und gezogen werden soll.

800er Silber klappt problemlos, da kann ich die ganze Schmelzschale füllen. Schmilzt sehr schnell und wird sehr dünnflüssig, fast vergleichbar mit Zinn und Baumarkt-Kartuschenbrenner.

925er Silber schmilzt sehr schwer und ist "gerade so" zu verflüssigen.
Der Guss "friert dann ab".

Meine Frage: Kann man 925er Silber generell nur mit Sauerstoffbrenner schmelzen, oder auch Propan-Luft (wie hier)?
Gibt es weitere Tipps?

Wo liegen die Schmelzpunkte jeweils? (finde nur den von reinem Silber)

Ach ja, Flussmittel ist Universal-Hartlötflussmittel mit einem Wirktemperaturbereich von 800-1100 °C (kann ich weiterempfehlen, ohne Gewerbeschein an Privat erhältlich).

Danke für die Reaktionen!
Grüße!
Michael
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Sparkle
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Sparkle

 ·  #2
Was die Temperatur, also den Schmelzbereich anbelangt, nennt Wolters in "Der Gold-und Silberschmied" Band 1, S 61-62, für 925/- Silber: 779-896 °C. Dein Brenner sollte also diese Temperatur mindestens, genauer gesagt höhere Temperatur schaffen, Feinsilber geht bei 961 °C in den flüssigen Zustand, wenn das bei Deinem Brenner geht, sollte der Sterlingsilber auch schaffen. Edit, habe Dich mißverstanden, es ging gar nicht um Feinsilber, 800er schmilzt bei 779-820 °C, also etwas geringerer und nicht so weit gefasster Bereich wie bei 925/-. Ich nutze nur Propan zum Schmelzen und das reicht völlig. Aber logischerweise sollte Sauerstoff von der Schmelze ferngehalten werden. Der fördert die Oxidation, gerade beim Kupfer (reines Silber oxidiert so nicht, kann aber gewaltige Mengen Sauerstoff in der Schmelze einbinden, welches beim Ausgießen wieder abgegeben wird, teilweise heftig, sogenanntes "Spratzen"). Dementsprechend nimmst Du ja auch Schmelzmittel, wobei Du ein Flussmittel nimmst, was ich nicht kenne. Ich gebe nicht meine Flussmittel in die Schmelze, sondern ein reduzierendes Schmelzpulver. Dessen Zusammensetzung kenne ich leider nicht. Aber Boraxpulver ist gut geeignet und das verwende ich auch oft. Gibts das noch ohne Gewerbeschein? (ich glaube, seit einiger Zeit nicht mehr?)

Weiteres: Für die Schmelzschalen gibt es halbe Deckel, dann geht weniger Hitze nach oben flöten.
Einguss: Glatte, polierte Wände sind hilfreich und das Einölen der Form vorm Gießen. Hast Du gerußt? Sieht danach aus und wird auch empfohlen. Auch Miterwärmen des Eingusses verhindert, das die Schmelze auf dem Weg nach unten zu schnell abkühlt und stecken bleibt. Allerdings habe ich auch bei sehr langen Rillen mehr Probleme als bei kurzen. Nur teilweise gefüllte Rillen hatte ich auch schon.
Soweit machst Du vieles schon richtig, wie ich erst nach genauerem Hinsehen der Bilder sehe, mit der Oxidation hast Du keine Probleme. Vielleicht haben die anderen noch Tipps, auf die ich grad nicht komme.
Tilo
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Tilo

 ·  #3
Temperatur schafft der Brenner locker
die erzeugt auch ein Creme-Brulee-Brennerchen
Wärmemenge (Flammengröße) ist der Faktor
und da könnte der Brenner eben etwas zu knapp für die zu schmelzende Silber925Menge sein (die Mengenangabe fehlt
und der Düsendurchmesser)
Feinsilber sollte zunächst nicht versucht werden
Ulrich Wehpke
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Ulrich Wehpke

 ·  #4
Vielleicht hast Du die Flamme zu nah oder zu weit drangehalten? Dein Brenner ist gut, der kann noch ganz andere Sachen als Sterlingsilber! Ich würde das Flussmittel gegen Boraxpulver tauschen, weil der Arbeitsbereich des Flussmittels zwar bis 1100° reicht, Deine Flamme jedoch viel heißer ist. Das vertragen die Borfluoride der modernen Flussmittel nicht mehr. Nimm es zum Löten, dafür ist es gemacht und funzt auch prima.
Tilo
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Tilo

 ·  #5
Borax ist aber privat nur auf Umwegen zu bekommen
vielleicht mal beim nächsten Schädlingsbekämpfer nach ner kleinen Menge fragen
Ulrich Wehpke
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Ulrich Wehpke

 ·  #6
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #7
Der Brenner (CFH aus dem Baumarkt) reicht schon, aber nur knapp.
Wenn du im Freien arbeitest, sorge für besseren Windschutz.
Silberschweif
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Silberschweif

 ·  #8
Boraxpulver ist ohne probleme zu bekommen einfach die kleinen kristallzuchtkästen von Kosmos kaufen dann haben die kids auch gleich was davon :)
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #9
Die einfachste Lösung wird sein, einen leistungsfähigeren Brenner zu kaufen. Ich habe die Erfahrung gemacht das die Brenner mit der längeren Tülle (so wie Deiner) eine zwar scharfe Flamme liefern, diese aber zu schmal ist für die ganze Schmelzschale. Die breiteren Brenner haben auch größere Löcher für die Luftansaugung und verbrauchen mehr Gas.
Die obere Abdeckung mit der Halbschale zusätzlich wurde ja schon erwähnt, die brauchst Du auch.
Michael Pfister
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Michael Pfister

 ·  #10
Ich habe das gleiche Problem. Mein Propan-Brenner ohne O2/Druckluft ist etwas schwach auf der Brust und von ca. 20 Versuchen hab ich gerade mal 2 oder 3 brauchbare Güsse erzielen können.
Was für einen Brenner könnt ihr denn empfehlen zum Schmelzen.
Am liebsten wäre mir was mit Druckluft - in meinem Fall wären 50-60 Gramm Sterling pro Guss vermutlich ausreichend...
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #11
tatze-1
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tatze-1

 ·  #12
den großen Brenner von Schula habe ich auch. Mit dem sind auch 40-50g 925/- in einer Schmelzschale gut möglich. Es war ein echter Kampf, den in Griff zu kriegen, manchmal kriege ich heute noch die Motten. Besser wurde es, nachdem ich Borsäurepulver gegen Boraxpulver als Schmelzmittel ausgetauscht habe. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Meine Erfahrung mit der Kokille ist es, je wärmer sie ist, umso bescheidener der Guß.
Tilo
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Tilo

 ·  #13
2 Baustellen:
welcher Brennergriff
wichtiger: welche daran angeschraubte Düsengröße/Brennerkopf, weil es verschiedene Größen gibt
Heinrich meint mit "längere Tülle" vermutlich >schmale< Tülle
mein bauähnlicher Brennerkopf an nem bauähnlichen Griff, den es natürlich z.B. bei Kai gibt, hat einen Düseninnendurchmesser von 17, der schafft meinen Bedarf locker
dann gibts noch die Brennerköpfe, wo die Luft nicht am Zulöaufrohr, sondern am Brennerkopf zugemischt wird
ist das besser?
ich denke, nur anders
Raustland
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Raustland

 ·  #14
Was bewirken den Pottasche, Natron oder Kochsalz in der Borsäure und gibt es Anhaltspukte für ein Mischverhältnis?
Maschinenbauer
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Maschinenbauer

 ·  #15
Dankeschön für alle Antworten!

Die Brennerdüse hat 17 mm Innendurchmesser, der Gasverbrauch ist mit 300 g/h angegeben.

Ich vermute, dass es wirklich an der Zugluft gelegen hat. Werde mir mal eine Stelle mit mehr Windschatten suchen und Deckel für die Schmelzschalen kaufen.

Die Form ist aus Edelstahl (Wärmeleitfähigkeit nur ein Drittel von Stahl, rostfrei und zieht kein Wasser), ich habe gerußt.

Die Wirktemperatur von Flussmittel bezieht sich auf die Arbeitstemperatur vom Lot. Üblicherweise wird Silberhartlot oder Messinglot mit Acetylen-Sauerstoff gelötet (Flammtemperatur noch heißer), die handelsüblichen Flussmittel sind dafür ausgelegt. Also sollte man das Flussmittel unbedingt nach der Arbeitstemperatur aussuchen, nicht nach der maximalen Flammentemperatur!

Bei Gelegenheit werde ich nochmal einen neuen Schmelzversuch unternehmen und dann berichten...

Grüße!
Michael
Silberschweif
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Silberschweif

 ·  #16
Ich hatte am Anfang auch den CFH Brenner Hab mich vom Zusatz Turbobrenner täuschen lassen.
Ich bin danach auf einen von Kai umgestiegen mit 3 verschiedenen Einsätzen damit konnte man gut bis 60g schmelzen darüber ging auch aber es dauerte halt entsprechend
http://shop.schula.de/product_info.php/products_id/7561
Du solltest dir dazu auch unbedingt den größeren Schraubkopf dazu bestellen
Mit der mittleren Düse kann man sehr gut die meisten Lötarbeiten für Silber machen. Die kleinste Düse habe ich aber kaum gebraucht.
lg
chris
Ulrich Wehpke
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Ulrich Wehpke

 ·  #17
Weg mit dem Spielzeug, beim Schmelzen gilt die alte Weisheit

"Auf die Dauer hilft nur Pauer!" ;)


Die ultimative Lösung, da bleibt kein Wunsch mehr offen. Selbst Platin-Iridium schmilzt wie Butter in der heißen Pfanne. Die Flamme ist sehr gut einstellbar und kann auch zum Löten von Siberringen im Wasserbad benutzt werden.
Die Flamme gat ein optimales Mischungsverhältnis, dadurch kommt viel weniger Wasserstoff und freier Sauerstoff an das zu schmelzende Material. Ergebnis: Bessere Materialqualität und weniger Gaseinschlüsse, weniger Kupferoxydation.

Vom Hersteller Gloor in der Schweiz, zu beziehen bei Schula und noch nicht einmal teuer:

http://www.gloor.ch/pdf/Gesamtkatalog_de.pdf
Handstück Art. 3901
Heizdüse Art. 3956 37000 KJ/h für Propan/Sauerstoff
Tilo
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Tilo

 ·  #18
ich sag mal, ohne Zugluft könnte es mit der vorhandenen Ausrüstung gehn
ich hab mit meiner 17mm Düse schon 100g altgold auf einmal geschmolzen, nur wegen dem beschicken des kleinkrams hats so lange gedauert
mach ich so natürlich nicht, wenn ich ein kilo zusammneschmelze
es ging ja nur ums Prinzip, daß man nicht den Rein-Sauerstoffbrenner braucht
https://www.youtube.com/watch?v=2pmBG6V3uMY
Ulrich Wehpke
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Ulrich Wehpke

 ·  #19
Wenn man eine vernünftige Materialqualität beim Guss haben will, dann ist eine gute Flamme aber sicher eine Voraussetzung zum Erfolg.

Ich meine jetzt nicht Deine Hyperfliehkraft-Kokillen, sondern ganz normale Güsse in geschlickerten Formen. Bei Dir hält sich ohnehin kein Gas in der Schmelze, aber leider geht das ja auch nur bei einer kleinen Palette von rohrähnichen Erzeugnissen.
Tilo
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Tilo

 ·  #20
zweifellos richtig!
bloß stellt diese Maximalausstattung für viele Hobbyisten ein zu hoher Anschaffungswiderstand dar,
ich schmelze aber meine 6mm-Vierkantstäbe und 3mm Blech auch meist mit der nur-Propan-Flamme
zum frisch legieren braucht man noch mehr Power
Ulrich Wehpke
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Ulrich Wehpke

 ·  #21
Maschinenbauer
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Maschinenbauer

 ·  #22
So, jetzt melde ich mich nochmal zurück!

Nach allen Beiträgen musste ich es heute nochmal probieren.
Ich habe mit der vorhandenen Ausrüstung und mehr Windschutz gearbeitet.
(Ohne Deckel auf Schmelzschale)

Jetzt konnte ich das 925 Silber schmelzen. Es lag wohl wirklich an der Zugluft, und an meiner Geduld...
Im Vergleich zum 800er dauert es einfach wesentlich länger!
Dort kann man ganze Suppenlöffel ohne zerkleinern einfach in wenigen Sekunden in die Schale abschmelzen, bei 925 muss man das Geschmolzene länger aufheizen, bis die letzten Bestandteile in der Schmelze flüssig werden.

Allerdings ist der Guss immer noch nicht perfekt. Das liegt aber jetzt an den Legierungseigenschaften, nicht am Gießverfahren. Das 925er erstarrt wesentlich grobkörniger und hat ein schlechteres Formfüllungsvermögen.
Wahrscheinlich weil das 800er fast am Eutektikum liegt?!

Anbei ein Bild, Links 800 Silber, rechts 925 Silber.

Ich werde das 925er jetzt erstmal beiseite legen und mit 800er weiterarbeiten...

Danke an Alle und Grüße!
Michael
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Information: links 2x Legierung 800 rechts 2x Legierung 925
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #23
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