Diamantabdeckung bei Lötungen

 
pontikaki2310
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pontikaki2310

 ·  #1
Ein Kollege möchte einen kleinen, weißen (ca. 0,10 ct) Brillanten,
der bereits in einer 750er Weißgold-Zargenfassung gefasst
ist, an ein Silber-Schmuckstück anlöten. Er lötet mit nem
Hydrozon-Gerät. Ich riet zu Abdeckung der Brillis beim Löten
mit Borax/Boraxin - mach ich selbst jedenfalls so, ohne jemals
Schäden an den Brillis verursacht zu haben.
Der Kollege verwendet für seine Lötungen am Silber Flußmittel H
oder Fluoron. Funktioniert der Schutz des Brillis auch mit diesen
Flußmitteln?
tatze-1
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tatze-1

 ·  #2
klar funktioniert das. Nur würde ich bei Weißgold grundsätzlich Flußmittel d verwenden.
Tilo
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Tilo

 ·  #3
klar
ist doch alles sehr ähnlich von der Wirkungsweise, nur die Wirktemperaturen sind unterschiedlich

bei Zirkonia sollte man Flußmittel unbedingt fernhalten

Anke: Flußmittel D hat zu hohe Wirktemperatur fürs Silberlot
da passen die anderen genannten schon für die Kombination Weißgold-Silber
Brettwerk
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Brettwerk

 ·  #4
Danke für die Frage, Marion, und Danke für die Antworten!! Hier werden Sie geholfen... 8-)
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #5
Wenn der Diamant komplett eingebacken ist in einem Flussmittel, dann der Schutz vor Oxidation funktionieren. Nach meiner Erfahrung geht es auch ohne Flussmittel wenn der Stein nur kurz und nicht über Rotglut erhitzt wird. Wenn die Lötung länger als erwartet dauern sollte weil das Lot nicht so fließt wie es sollte, ist es besser abzusetzten. 5 Minuten zu warten und neu zu beginnen.

Es ist wissenschaftlich nicht bestätigt aber, der Statz aus den Fachbüchern dass Diamanten in reiner Sauerstoffatmosphäre bei 720° mit der stillen Oxydation beginnen und in normaler Atmosphäre erst bei 780°C ist nach meiner Erfahrung mit verbrannten Diamanten im Ofen und einer genauen Steuerung falsch. Da ist mal ein Programm hängen geblieben und alle Diamanten waren "gefrostet" also angefressen.

Danach habe ich mit Flamme und Ofen (es war ein großer und wichtiger Serienauftrag) kleine Einzeltests gemacht und auch im Mikroskop keinerlei Veränderungen der Oberfläche nach erhitzen auf hellgelb Glut also gut 1000°C gesehen wenn es nur eine Sekunde so heiss war. Einmal 1000°C für 5 Sekunden hat jedoch eine matte Oberfläche hinterlassen. Dann habe ich Tests gemacht 10x hintereinander auf Gelbglut erhitzt aber jedes Mal nur bis zu einer Sekunde und kein Schatten auf der Oberfläche auch unter dem Mikroskop nichts.

Bei 720°C ist der erste Schatten nach 15 Minuten aufgetaucht. Bei 800°C schon nach 20 Sekunden.

Wenn ich mich nicht irre gibt es nicht nur einen Zusammenhang zwischen Zeit und Temperatur sondern auch eine Startphase zum Beginn der Oxidation, die mit zunehmender Temperatur immer kürzer wird.
Tilo
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Tilo

 ·  #6
deine Tests waren alle ohne Flußmittelschutz?
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #7
Brettwerk
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Brettwerk

 ·  #8
Das ist ja hochinteressant, vielen Dank für die ausführliche Beschreibung der Versuchsreihe! Da drängt sich mir gleich die nächste Frage auf: Wie verhält es sich eigentlich mit dem Abschrecken? Kann ein Diamant platzen, wenn er von um die 800 Grad auf Zimmertemperatur in Wasser-Spiritus-Gemisch gebracht wird?
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #9
pontikaki2310
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pontikaki2310

 ·  #10
Uiiii - meine Nackenhaare sträuben sich schon alleine beim Lesen.
Das würd ich niemals nienich riskieren.
Aber vielleicht hat Heinrich das ja auch mit seinen Steinen getestet.
Ps.: Danke Heinrich für den Bericht - wiederwasgelernt;-)
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #11
Brettwerk
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Brettwerk

 ·  #12
Wie schön, dass man nicht alle denkbaren Fehler auch selbst machen muss!
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #13
tatze-1
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tatze-1

 ·  #14
Tja, mein damaliger Chef in der Diamantwerkzeugefabrik hatte keine Manschetten, die Rohdiamanten (2karäter und so), die er aus den Einkornabrichtern ausgelötet hat, direkt ins Wasser zu schmeißen. Ich bin halb gestorben dabei, er hat sich gewundert, was ich mich so anstelle. Die Steine haben es tatsächlich unbeschadet überstanden.
Tilo
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Tilo

 ·  #15
Ulrich hat immer gemeint, Diamanten halten als einzige Steine das Abschrecken aus
aber ich würds schon rein gefühlsmäßig sicherheitshalber vermeiden, wo es nur geht, denn dass es sehr viele Sachen definitiv übelnehmen spricht für mich dafür, es auch bei Diamanten tunlichst zu vermeiden
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #16
Synthetisches Material dürfte wesentlich homogener daher kommen.
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #17
Tilo
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Tilo

 ·  #18
Reni, kannst du dich nicht an den Korundringneulich mit den vielen Rissen erinnern?
ich habe diese Risse in synthetischem Korund problemlos durch Abschrecken nachstellen können
und auch der Stein im 750er WG wurde im Labor als Synthese untersucht/befunden
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #19
Ich meine jetzt Ankes Chef, der die Teile abgeschreckt hat. Das ist Diamant, kein Korund.
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #20
Zitat geschrieben von Silberfrau

Ich meine jetzt Ankes Chef, der die Teile abgeschreckt hat. Das ist Diamant, kein Korund.
Zwei Sachen würden mich an der analogen Übertragung bremsen:
1a. Als Abrichtsteine werden recht sauber gewachsene Doppeloktaeder genommen (korrigiert mich, wenn ich hier irre), die haben ein kompaktes Volumen bei kleiner Oberfläche und die härteste Kohlenstoffpackung an den jeweiligen Dreiecksoberflächen. Schon dadurch würde ich den Angriff der Kontraktionsspannung durch das kalte Wasser an diesen Flächen für schwach halten. Bei einem facettierten Brillant sind alle Facettenflächen jeweils in einer Ebene der weniger dichten Kugelpackung von Kohlenstoffatomen und die Form ist zusätzlich so geschliffen, dass die Oberfläche im Verhältnis zum Volumen deutlich größer ist.
1b. Das Risiko des Reißens steigt mit der Größe des Steines. Ein Rohstein von 2 Carat hat einen Durchmesser so, dass sich gerade zwei Halbkaräter oder maximal ein 3/4 Karäter und ein Viertelkaräter nach dem Sägen draus schleifen lassen kann. Das Risiko ist bei einem Halbkaräter auch viel geringer als bei einem 2-Karäter Brillant der als Rohstein vielleicht ein 6-8 Karäter war.

Fazit: Ein Zweikaräter Abrichtdiamant ist ungleich einem Zweikaräter Brillant.

2. Ein 2-Karat Abrichtstein kostet ein paar Hundert Euro, der Verlust wäre zu verschmerzen. Ein 2-Karat Brillant in passabler Qualität viele tausend Euro. Das tut dann schon deutlich mehr weh.

Einmal von dem prinzipiell höheren Bruchrisiko nach 1 abgesehen.
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #21
Siehste, Anke, dein Bauchweh war umsonst.
tatze-1
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tatze-1

 ·  #22
Heinrich hat recht, die Abrichtdiamanten sich echte Diamanten, keine Synthesen.

Reni, bei heiße Steine ins Wasser werfen hab ich immer Bauchweh. Ich habs ja schon geschafft, nach dem Löten einer Ringschiene einen Dia monique durch verdampfendes Wasser zu schrotten. Seine Form hatta behalten, nur innerlich sah er aus wie ein Irisbergkristall.
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #23
ach, echte, echt?
tatze-1
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tatze-1

 ·  #24
Zitat geschrieben von Silberfrau

ach, echte, echt?

wenn du dich auf die Abrichtdiamanten beziehst, dann ja. Es wird viel synthetischer Diamant bei den Mehrkornabrichtern verwendet, aber die Einkornabrichter sind echte Steine.
RWeigel
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RWeigel

 ·  #25
Wenn ich bei Reparaturen Brillis nicht ausfassen kann und nah bei Ihnen löten muß, packe ich sie in Bastelton ein. Funktioniert bei mir genauso gut wie das originale, sauteure Fix-O-Therm. Flußmittel als Schutz habe ich noch nie probiert. Wohl, weil ich das „Kein Borax auf Steine“ auch für Brillis verallgemeinert habe. Der Ton schützt hauptsächlich vor schnellen Temperaturänderungen, er hält den Sauerstoff sicher nicht komplett fern.

Viele Grüße

Ralf
Heinrich Butschal
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Heinrich Butschal

 ·  #26
Silberfrau
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Silberfrau

 ·  #27
Diamanten sind die Ausnahmen von der Regel kein Borax auf Steine. Wenn keine Borsäure zur Hand ist hab ich auch schon mal Flussmittel genommen.
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