Silber "kochen"

 
Ceropegia
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Ceropegia

 ·  #1
Hallo, liebe Foristinnen und Foristen,

da ich nun schon einmal beim Schreiben bin, habe ich folgende Frage.

Ein Freund von mir will eine silberne Christusstatue ersteigern, bei der ein Arm ab war und wieder "angebaut" wurde, was wohl auch sichtbar wäre.
Darüber kam die Diskussion auf, ob man beim ordnungsgemäßen Restaurieren das nur so machen darf, um die wertmindernde Eigenschaft zu belegen. Ich dachte, bei Silber sei auch eine unsichtbare Restauration möglich.

Da meinte er, das ginge nur, wenn man das Silber kochen würde - im Sinne von in Wasser bei 100°C. Das wollte ich recherchieren und da kommt aber immer nur die Reinigung mit Alufolie und Konsorten.
Oder halt das Weißsieden, was ja aber auch was ganz anderes ist.

Könnte mich bitte einer aufklären, was da richtig ist? Wäre ganz super, weil eigentlich ist der Freund jemand der weiß, wovon er spricht.

Gruß, Christine
tatze-1
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tatze-1

 ·  #2
Ist der Christus restauriert oder repariert worden? Das sind 2 Ausgangslagen mit unterschiedlichen Anspruchsvorgaben. Ist eun neuer Arm gefertigt worden oder der alte Arm verwendet worden?
Tilo
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Tilo

 ·  #3
gehts um sichtbare Naht oder umfehlende/ungleichmäßige Patina?
Ceropegia
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Ceropegia

 ·  #4
Es handelt sich um diesen:
https://www.dorotheum.com/de/l/9899723/

Augsburger Christuskorpus

Ist schon verkauft, kann ihn ja heute fragen, ob er ihn ersteigert hat, aber darum geht es ja nicht. Ich hoffe, Ihr könnt aus dem Link die geforderten Angaben ableiten.

Danke, Christine
Tilo
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Tilo

 ·  #5
keine Ahnung, ob es um den leicht sichtbaren Riss geht, den man mittels großer Flamme mit flüssigem Silberlot bei über 700 Grad hätte evtl. unsichtbar anbringen können
und danach die dadurch komplett verschwundene Alterspatina wieder erzeugen

hat mit Wasser kochen aber sowas von gar nichts zu tun, allenfalls mit Eis erwärmen zwecks Verflüssigen,

kochen ist ja der Bereich, wo sich Wasser von flüssig zu gasförmig unmwandelt
tatze-1
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tatze-1

 ·  #6
Beim Restaurieren eines historischen Stücks ist, wenn nicht vom Auftraggeber explizit gewünscht, die sichtbare "Reparatur" üblich, was im übrigen nicht unnötigerweise wertmindernd ist. Speziell auch, wenn es Ergänzungen des Stücks gab, um zu zeigen, da ist was Neues ans Alte dran gekommen. Das neue Teil muß dann allerdings auch vollständig punziert sein. Man hätte den Arm löten können (birgt die Gefahr der Zerstörung). Was mir hier wahrscheinlicher aussieht, ist, daß der Arm evtl. mit Fischleim angeklebt wurde. Im worst case mit sehr sparsam verwendetem Zinnlot gelötet. Bei näherer Betrachtung sehe ich auch um die Knie herum Risse die man sichern könnte.

Wenn an dem Stück schon mal was gemacht wurde, dann sollte eigentlich auch eine Restaurierungsdokumentation dabei sein, die zu jeder Restaurierung erstellt wird.

Und weißsieden macht die Lötstelle nicht unsichtbar.
Ceropegia
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Ceropegia

 ·  #7
Vielen Dank für die Antworten. Ich hab meinen Freund heute auf unserem Weihnachtsmarkt getroffen und er hat mir versichert, dass sein Silberschmied dieses Kochen (in Wasser) wirklich so gemeint hat. Das wird er nochmal nachfragen müssen.
Ersteigert hat er den Christus nicht, irgendwas hat ihn noch an dem Beschauzeichen gestört.
@Tatze Danke für die Ausführung zu Restaurationen. Ich dachte, dass Beschädigungen immer wertmindernd sind.
Und man kann Silber tatsächlich mit Fischleim kleben?
Ob noch eine Doku existiert, kann ich nicht sagen, er hat mit Sicherheit einen Katalog davon und wenn man beim Dorotheum eingeloggt ist, erfährt man möglicherweise auch mehr über die Stücke.

Vielen Dank, Christine
tatze-1
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tatze-1

 ·  #8
Zitat geschrieben von Ceropegia

Und man kann Silber tatsächlich mit Fischleim kleben?

kann man. Wird auch hauptsächlich gemacht, um Risse zu sichern, an denen man nicht löten kann.

Zitat
irgendwas hat ihn noch an dem Beschauzeichen gestört.

es fehlt die Meistermarke. Augsburg ist die Stadt mit den bestdokumentierten Beschauzeichen und Meistermarken.
pontikaki2310
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pontikaki2310

 ·  #9
Zitat geschrieben von tatze-1

Wird auch hauptsächlich gemacht, um Risse zu sichern, an denen man nicht löten kann.


Und wie belastbar ist so'ne Fischleim-Naht?
Oder wird damit nur erstmal gesichert um dann
'ne dauerhafte Fixierung anzubringen?
tatze-1
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tatze-1

 ·  #10
Zitat geschrieben von pontikaki2310

Und wie belastbar ist so'ne Fischleim-Naht?
Oder wird damit nur erstmal gesichert um dann
'ne dauerhafte Fixierung anzubringen?

Man muß ja bedenken, daß man hier hauptsächlich Gerät vorliegt, das unterschiedlichen Nutzungen ausgesetzt ist. So ein Kreuz steht halt hauptsächlich rum und fängt Staub. Das wird jetzt nicht so belastet wie ein Abendmahlskelch, der jeden Sonntag benutzt wird und wird auch normal nicht feucht abgewischt. Fischleim hat eine hohe Elastizität und Festigkeit. Deswegen kann man mit dem auch längerfristiger sichern/konservieren.

Allerdings, wenn ein Gebrauch wie beim Abendmahlskelch vorgesehen ist, dann ist Fischleim nicht die Lösung, weil der wasserlöslich ist (suboptimal, wenn der Kelch nach dem Gebrauch mal abgewaschen wird). Da muß man dann andere Lösungswege finden.
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