Aus uhus Werkstatt. März 2026. Reparatur eines synthetischen Spinells.

 
stoanarrischer uhu
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stoanarrischer uhu

 ·  #1
Liebe Goldschmiede und Schleifer (natürlich sollen sich gleichermaßen auch die weiblichen Formen dieser Spezies angesprochen fühlen, ich bin zu faul zum Gendern).
Wir alle "lieben" Reparaturen. Oft sind sie schwieriger und zeitraubender als Neuanfertigungen und haben großen Erklärungsbedarf bei den Kunden.
Ein Goldschmied legte mir einen blaugrünen Stein auf den Tisch: bitte nachpolieren- ist vermutlich Glas. Und verschwand. Die Prüfung des RI ergab 1,725. Also Spinell. Und weil es kaum saubere Spinelle 18,2 x 14,5 mm gibt, mit ziemlicher Sicherheit synthetisch. Die Facettenkanten auf der Oberseite waren abgeplatzt und die Tafel zerkratzt. Mit Nachpolieren war es nicht getan. Da musste erst geschliffen werden. Holla! ein 10geteiltes Oval!Ungewöhnlich. In "Datavue" gab es kein passendes Design. Also muss ich die Lage und Winkel von 41 Facetten ausknobeln und notieren. Erstes Problem: den Stein mittig und rechtwinkelig auf den Dopp aufkitten. Das gelingt auch mit Erfahrung und Tricks nicht hundertprozentig. Folge: Hat man Teiler und Winkel für eine Facette gefunden, so passen die Werte nicht für die Facetten der gleichen Art. Viel Arbeit für den Feinsteller....Warum die Facetten nicht einfach neu anlegen? Der Stein sollte in die alte Fassung zurück. Da darf man nichts an der Rondiste verändern. Das Nachschleifen der Facetten auf einer 3000er Diamantscheibe mit Hilfe einer zahnlosen Teilerscheibe ging noch recht zügig. Aber dann kam das Polieren. Spinell ist da ein ziemlich biestiges Material. Winzige pings vom Feinschleifen können Minuten zum Auspolieren dauern - und dann ist die Facette zu groß...Die Tafel kann einen zur Weißglut reizen.
Gut - nach knapp 4 Stunden war der Stein fertig. Ich auch. Frage an die Schleifer: wie kann man eine solche Reparatur einfacher und schneller machen?
Frage an die Goldschmiede: Wieviel darf so eine Reparatur kosten? (Neuschleifen und Neukaufen gilt nicht)?

Die Bilder sind nicht bearbeitet.
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pontikaki2310
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pontikaki2310

 ·  #2
Puuuh, das war ja 'ne ziemliche Ruine - aber wieder
suuuper hingekriegt.
Mit der Kostenfrage isses schwierig. Wenn der Kunde
sehr an dem Stück hängt, dann wird er über das
"Wirtschaftliche" hinaus, auch einen angemessenen
Stundenlohn zahlen.
Wobei ich gar nicht weiß, ob bei Schleifarbeiten ein
Stundenlohn zugrunde gelegt werden kann - wären
ja jetzt 4 Std. x ... € nur für Schleifen und Polieren.
Die Ein-&Aus-Fassarbeiten kommen ja auch noch
hinzu.
So'ne Reparatur lohnt sich doch eigentlich nur bei
"Lieblingsstücken" - oder?
DadaKaka
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DadaKaka

 ·  #3
Einen neuen synthetischen Spinell in der Größe gibt es neu für 31 € bei etsy.
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pontikaki2310
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pontikaki2310

 ·  #4
Zitat geschrieben von DadaKaka

Einen neuen synthetischen Spinell in der Größe gibt es neu für 31 € bei etsy.


Die Option war aber doch ausgeschlossen:

Zitat geschrieben von stoanarrischer uhu

..... (Neuschleifen und Neukaufen gilt nicht)?
stoanarrischer uhu
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stoanarrischer uhu

 ·  #5
18x13 passt halt nicht so recht in die alte Fassung. Das ist das Problem...
Brettwerk
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Brettwerk

 ·  #6
Zitat

Ein Goldschmied legte mir einen blaugrünen Stein auf den Tisch: bitte nachpolieren- ist vermutlich Glas. Und verschwand.


Keine Ahnung, wer da jetzt ins Risiko gegangen ist, der Goldschmied oder Du, Volker. Wirtschaftlich ist so ein Stein vermutlich ein Totalschaden, aber ich bin da ganz bei Marion: wenn der Kundin der Stein lieb ist, dann lohnt sich auch eine aufwändige Restaurierung wie Deine. Jetzt ist der Stein vermutlich besser als neu.
Tilo
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Tilo

 ·  #7
verfahrene Karre
insbesondere, da der Goldschmiedekollege ja wohl keine Ahnung hat
denn 1. ist das doch offensichtlich kein Glas
und 2. kann man solche Schäden nicht mal eben nachpolieren

wie auch immer:
zuerst hätte dem Endkunden klargemacht werden müssen, dass das keine kleine Repara tur ist, sondern Kosten entstehen durch neue Fassung für/plus günstigen Steinneukauf in leicht abweichender Größe.
alternativ eben die Kosten fürs wegen Erhalt der Rondiste zeitlich aufwendigem Nachschleifen.

ist dem Endkunden das zu teuer: Stein in Fassung lassen und mit "Polygold" bufftop/Cabochonoberteil schleifen

hat der Goldschmied das nicht gemacht und den Stein einfach dem uhu "aufs Auge gedrückt", muss er eben mit dem Ärger klarkommen, falls die (eh günstig!) berechneten 4h plus Porto zu teuer erscheinen

jetzt erst nachträglich die Kosten zu rechtfertigen machts unnötig kompliziert
Raustland
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Raustland

 ·  #8
Völlig egal was es kostet, wichtig ist nur das es gemacht werden kann wenn es gewünscht wird. Wenn es dem Kunden wichtig ist wird er bezahlen was an Kosten entstehen. Wenn nicht ist es dem Kunden die Sache nicht wert so einfach ist das wenn dann etwas neues oder anderes eingefaßt werden kann ist das eine Möglichkeit eventuell Kosten zu sparen, aber auch nur wenn es dem Kunden auch so genehm ist. Wenn nicht und ihm auch die Kosten zu hoch sind, dann ist im da einfach nicht zu helfen.
Wenn du jetzt noch einen Betrag hören möchtes so denke ich sind für diesa Art von Arbeit und Aufwand bei 4 Std ca. 180 bis 240 völlig angemessen. Wohl gemertkt nur für die Schleifarbeiten
DadaKaka
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DadaKaka

 ·  #9
Zitat geschrieben von pontikaki2310

Zitat geschrieben von DadaKaka

Einen neuen synthetischen Spinell in der Größe gibt es neu für 31 € bei etsy.


Die Option war aber doch ausgeschlossen:

Zitat geschrieben von stoanarrischer uhu

..... (Neuschleifen und Neukaufen gilt nicht)?


Ich gehöre aber nicht zum ausgeschlossenen Personenkreis. 8-)
stoanarrischer uhu
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stoanarrischer uhu

 ·  #10
Liebe Goldschmiede,
ich bin kein Risiko eingegangen. Dieser Goldschmied diskutiert mit mir nicht um Preise, sondern darum, wie man ein Problem am besten löst. Da macht die Zusammenarbeit Freude, auch wenn die Arbeit selbst mal keinen Spaß macht. Und er weiß, dass ich als Seiteneinsteiger mit geringeren Fixkosten niedrigere Arbeitspreise kalkulieren kann, aber trotzdem meistens eine brauchbare Arbeit abliefere. Er nützt das aber nicht aus und bringt mir nur solche besonderen Fälle auf Wunsch seines Kunden. Eine win-win Situation für alle Seiten.
kristaller
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kristaller

 ·  #11
Zitat geschrieben von stoanarrischer uhu

Eine win-win Situation für alle Seiten.


@ Hallo uhu,
ich weiß nicht, ob man sich über die Preisgestaltung in solchen Extremfällen allzu sehr den Kopf zerbrechen sollte. Deine vier Stunden angestrengte Arbeit sind in Schleiferkreisen eine unglaubliche Leistung. Ich wüsste nicht, mit welchen Methoden und Tricks dieser Zeitaufwand noch zu unterbieten wäre. Die win-win Situation für Dich als versierten Schleifer sehe ich in erster Linie darin, dass Du diese Herausforderung angenommen und exzellent gemeistert hast 👍 👍 👍
GemBen
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GemBen

 ·  #12
Zitat geschrieben von stoanarrischer uhu

Erstes Problem: den Stein mittig und rechtwinkelig auf den Dopp aufkitten. Das gelingt auch mit Erfahrung und Tricks nicht hundertprozentig.
Das Nachschleifen der Facetten auf einer 3000er Diamantscheibe mit Hilfe einer zahnlosen Teilerscheibe ging noch recht zügig. Aber dann kam das Polieren. Spinell ist da ein ziemlich biestiges Material. Winzige pings vom Feinschleifen können Minuten zum Auspolieren dauern - und dann ist die Facette zu groß...Die Tafel kann einen zur Weißglut reizen.
Frage an die Schleifer: wie kann man eine solche Reparatur einfacher und schneller machen?



Hallo Uhu,
Zum 1. Problem; Steine mit einer großen Tafel lassen sich recht gut rechtwinklig und zentriert mit Hilfe eines Zieldops aufkitten.
Das ist quasi ein runder Tisch auf einem Dopunterteil (hast Du sowas?). Darauf legt man den Stein mit der Tafel nach unten und senkt den Dop ab. Dabei zentriert sich der Stein. Allerdings geht das nicht mit Schellack, ich benutze für solche Fälle 2K Epoxy.
Zum Polieren; Spinelle vertragen keine 3000er Scheiben, die Folgen sind tw. schon glatte Flächen mit üblen Löchern (Orangenhaut), nicht feiner als mit einer 1200er Scheibe schleifen. Kleine Facetten kann man dann sofort polieren. Die Großen müssen vorpoliert werden mit losem Diamant + Öl (3000-8000) auf Kupfer oder Zink.
stoanarrischer uhu
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stoanarrischer uhu

 ·  #13
Hallo GemBen,
den Trick mit dem Zieldopp habe ich verwendet. Möglicherweise sind meine selbst gebastelten Dopps nict genau genug. Zum Feinschleifen habe ich ausnahmsweise mal eine galvanisch gebundene Diamantscheibe verwendet. Macht bei Sphalerit auch Ärger. Wieder was gelernt. Danke für den Tipp.
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